Montag, 21. Mai 2012
Mein Kirchentag

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Über 100 Pilger kamen mit dem Rad durch Wind und Wetter nach Dresden

Wenn Tim Heese an die Einfahrt nach Meißen denkt, zittern ihm noch immer ein bisschen die Knie: Zuerst habe während der Fahrrad-Pilgertour die Sonne geschienen. Dann, kurz vor Meißen, da sei die Temperaturen plötzlich von dreißig auf zwanzig Grad gesunken.

Der Wind habe ihm stark ins Gesicht geblasen, und dann strömte der Regen, berichtet der 30 Jahre alte Kirchentagsbesucher. „Da haben wir kurzfristig die Route geändert.“

Drei Tage lang ist Tim Heese mit über hundert weiteren Fahrrad-Pilgern von der Lutherstadt Wittenberg zum Kirchentag nach Dresden geradelt, bis zum Denkmal des Reformators vor der Frauenkirche. Dort nahmen Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert und die Generalsekretärin des Kirchentags, Ellen Ueberschär, die vielen Radler in ihren bunten Regen-Capes in Empfang.

„Ein Stück Entschleunigung“

„Die Tour war für mich auch ein Stück Entschleunigung, ohne die Hektik des Alltags die Ruhe einer Pilgerreise zu erfahren“, sagt Tim Heese. Für ihn sei dies genau die richtige Einstimmung auf diesen Kirchentag. In Dresden will der Fahrrad-Pilger Freunde wiedertreffen und mit ihnen Veranstaltungen über Fragen der Taufe besuchen. „Wir diskutieren oft, was besser ist: Die Kinder- oder Erwachsenentaufe“, sagt er. Seine Freunde gestalten ihre Anreise nicht so sportlich wie er, sagt Tim Heese: „Die kommen alle mit der Bahn an.“

Auch für Annika Setzer wäre eine Bahnfahrt zum Kirchentag nicht in Frage gekommen. Die 19 Jahre alte Abiturientin aus der Oberpfalz ist leidenschaftliche Bikerin. Sie habe vor allem das Gemeinschaftserlebnis während der Fahrrad-Pilgertour fasziniert: „Wenn man so nebeneinander her fährt, lernt man sich kennen, erzählt über sich, das eigene Leben. Sachen, die man sonst niemandem erzählen würde“. Übernachtet hätten alle in Turnhallen, am Morgen dann gemeinsam gefrühstückt. Da sei ein ungeheures Gemeinschaftsgefühl entstanden, sagt Annika Setzer. Aber leider seien die meisten Teilnehmer schon älter. Nur etwa fünf Leute, schätzt sie, seien unter 30 Jahre alt gewesen.

Ökumenisches Radeln – über Pilsen und Prag nach Dresden

So wie Lutz Piegeler, 66 Jahre alt. Schon zum Ökumenischen Kirchentag in München ist er mit dem Rad angereist und hat dabei „Feuer gefangen“. In diesem Jahr traf er schon viele Mitfahrer aus München wieder. „An den ersten beiden Tagen jeweils rund 70 Kilometer auf dem Rad“, sagt Lutz Piegeler, „da lernt man seine Mitfahrer gut kennen“.

Auch Heribert Popp aus Regensburg kennt sich aus mit Pilgerfahrten auf zwei Rädern. Der 57 Jahre alte Profi-Pilger hat mit dem Fahrrad schon Wien, Santiago de Compostela und Rom angesteuert – jetzt ist er mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter über Pilsen und Prag nach Dresden geradelt, rund 500 Kilometer waren das, sagt er: „Für uns ist die Tour auch ein ökumenisches Erlebnis. In unserer Gruppe fahren Protestanten und Katholiken gemeinsam.“