Montag, 21. Mai 2012
Mein Kirchentag

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Fußball: Frauen wollen Geschichte schreiben

Steffi Jones auf dem Kirchentag

Am Fußball kommt keiner vorbei. Auch nicht der Evangelische Kirchentag. Allerdings wurde der Ball dabei oft sehr flach gehalten und längst nicht jede Chance genutzt. In zwei Gesprächsrunden wurde am Donnerstag über die Rolle der Fans und die Situation des Frauenfußballs – kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland – diskutiert.

Zum Thema „Fußballfans und Fußballgötter“ waren unter anderem der Sportjournalist und ehemalige Bundesligaprofi Jürgen Rollmann sowie der Dresdener Fanbeauftragte Christian Kabs eingeladen. „Fans identifizieren sich mit dem Verein, suchen die Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sogar zum Familienersatz werden kann“, sagte Kabs. In Dresden etwa gebe es „tolle Möglichkeiten“ für Fans, ihre Interessen im Verein umzusetzen. „Für sie ist ein Platz im Aufsichtsrat von Dynamo reserviert. Außerdem redet der Vorstand alle sechs bis acht Wochen mit den Fanclubs.“

Der Ex-Profi Rollmann, früher auch Spielergewerkschaftler, ergänzte: „In den letzten Jahren hat sich im Verhältnis zwischen Spielern und Fans einiges getan.“ Durch die modernen, eng gebauten Stadien seien die Fans auch räumlich den Spielern viel näher als früher. Für die Zukunft wünschte sich Rollmann, dass christliche Werte, wie Fairness und Respekt wieder mehr im Vordergrund stehen sollten – Fairness und Respekt der Fans gegenüber den Spielern. Es wurde zwar viel über, aber nicht mit Fans geredet.

Die zweite Halbzeit stand unter dem Motto „Frauen und Mädchen am Ball“. Kirchentagpräsidentin Katrin Göring-Eckardt und WM-Organisatorin Steffie Jones stellten ihre Sicht auf die aktuelle Situation des deutschen Frauen- und Mädchenfußballs vor und warben für die kommende Weltmeisterschaft im eigenen Land. „Es ist ein tolles Ereignis, dass die WM nach Deutschland kommt“, sagte Göring-Eckardt. „Deutschland soll wieder zeigen, dass es das begeisterungsfähigste Land ist“, sagte Jones. Sie hoffe erneut auf den Titelgewinn: „Wir wollen wieder Geschichte schreiben.“

Mehrere junge Fußballerinnen des Radebeuler BC 08 berichteten auf der Bühne von ihren Erfahrungen mit Vorurteilen gegenüber Fußball spielenden Mädchen und Ursula Jahn wurde als Fußballpionierin gefeiert, weil sie bereits 1969 – ein Jahr bevor der DFB offiziell Frauenfußball genehmigte – eine Damenmannschaft in ihrem schwäbischen Heimatdorf mitbegründet hatte. Nicht aus dem Wunsch heraus, trotz allem Fußball zu spielen. Das Dorf brauchte Geld, um den maroden Kirchturm reparieren zu können. „Wir dachten, wenn wir tanzen, kommt keiner.“