Spannende Dialoge im Zeichen des Kreuzes

- Kreuze aus Holz von Friedrich Press
Im Zeichen des Kreuzes laden 90 Künstlerinnen und Künstler aus Dresden und dem sächsischen Umland zur Auseinandersetzung mit Glauben, Kirche und Gesellschaft ein. In dem zentralen Symbol verdichten sich Erfahrungen von Leid und Not und die Hoffnung auf Erlösung. „Herr, vergib’ ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun“ nennt etwas Matthias Klemm sein Protestplakat gegen den Irakkrieg. „In Bautzen“ von Osmar Osten erinnert an das berüchtigte DDR-Gefängnis, Bernhard Hankes versonnen-meditative Studien sollen zeigen: „Gott ist überall sichtbar – Judas auch“.
Als Stachel, Anstoß und kritische Orientierungsmarke wirkt und zieht sich das Kreuz auch durch die säkulare Welt. In üppiger Vielfalt konfrontieren Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Collagen, Textilarbeiten, Fotografien und Installationen Besucher mit eigenwilligen und eigenständigen Visionen. Sie schärfen die Wahrnehmung für die Allgegenwart des Zeichens – vom Fenster- oder Astkreuz bis zur Straßenkreuzung. Und sie bringen Räume wie das schon an sich sehenswerte Japanische Palais nur zur Geltung.
Unter dem Titel „kreuzförmig“ hat der Kunstdienst der sächsischen Landeskirche mit den beteiligten Künstlern rund 220 Werke ausgewählt. Im Rahmen des regionalen Kulturprogramms zum Kirchentag werden sie an acht Orten präsentiert, die ein „Kunstweg“ verbindet. Schade nur, dass die Ausschilderung vor und in den Gebäuden, etwa am Ständehaus mit Landtag und Oberlandesgericht oder am Kulturrathaus, spärlich ausgefallen ist. In das Projekt einbezogen sind außerdem drei fest installierte Werke, darunter die Skulptur „Sich befreien“ am Elbufer und das Wandbild „Versöhnung“ in der Dreikönigskirche.
Von der Kunst rund ums Kreuz führen die Ausstellungen freilich auch zum Kreuz mit der Kunst: Die Beschäftigung mit Materialien, Farben und Formen kommt mal düster-expressionistisch, mal surrealistisch, mal poppig daher. Nicht selten sperrt sie sich gegen eine allzu gefällige Verständlichkeit – und will gerade dadurch das Leben, die Welt und Gott neu erschließen. Über den christlichen Kontext hinaus nimmt eine große Sonderausstellung im Dresdener Hygiene-Museum das Religiöse und die Religiosität als weltumspannendes Phänomen in den Blick. Sie veranschaulicht, dass das „Kraftwerk Religion“, so der Titel, aller Verweltlichung zum Trotz bis in die Gegenwart hinein wirkt und sogar neue Bedeutung gewinnt. Objekte, Dokumente und Kunstwerke aus unterschiedlichen Kulturkreisen soll deutlich machen, wo und wie Religion in Erscheinung tritt und was Gemeinschaften von Gläubigen zusammenhält – bis hin zu den so genannten letzten Fragen.


