Mein Kirchentag

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Ein Atomreaktor zum Reinbeißen

Christliche Atomkraftgegner, muslimische Gruppen, Seelsorger und Landeskirchen stellen sich auf dem Markt der Möglichkeiten im Themenbereich Horizonte des Glaubens vor. Hier sind über 250 Organisationen vertreten.

Terlinden ist einer von rund 2.000 Kirchenaktiven, die beim Kirchentag ihre Arbeit vorstellen. Pfarrervereinigungen, Studenteninitiativen, christliche Motorradfahrer, italienische und afrikanische Gruppen sind nach Bremen gekommen. Insgesamt 250 religiöse Organisationen stellen sich vor. Solveig Steuck Hallenleiterin für den Fachbereich Horizonte des Glaubens prüft genau, welche Gruppen zugelassen werden. Sekten oder dubiose Gruppierungen sind nicht erlaubt.



Direkt am Eingang der Halle ist die Psychologische Beratung und Seelsorge. Anna H. wartet ungeduldig an der Theke. H. ist Diakonin in einer Gemeinde in Süddeutschland. Manchmal laugt ihr Job sie aus. In der Beratung will sie darüber sprechen, zuhause kann sie das nicht. „Das anonyme Beratungsangebot ist toll“, sagt sie.  Bereits am ersten Tag ist die Nachfrage an der Theke groß. 30 Mitarbeiter sind jeden Tag im Einsatz. Für die Arbeit beim Kirchentag wurden sie von ihren Arbeitgebern freigestellt. „Die meisten haben Angst vor der Zukunft, es plagen sie Sinnfragen“, sagt Leiterin Maria Diezfelbinger. „Gegen Ende des Kirchentages konzentrieren sich erfahrungsgemäß viele Gespräche auf Glaubensfragen“, ergänzt sie.

„Wir alle wollen Frieden.“

Hilal al-Fahad will Zweifel und Konflikte mit dem Glauben ausräumen. Er vertritt auf dem Kirchentag das Haus der Religionen in Hannover. Der Bauingenieur ist Moslem und will über den Islam aufklären. “Das Interesse am Islam ist groß. Doch viele haben Vorurteile“, sagt er. Respekt vor den anderen Religionen sei der Schlüssel zur besseren Verständigung, meint Al-Fahad. „Denn im Grunde unterscheiden wir uns nur in wenigen Dingen. Wir alle wollen Frieden.“
Wenige Stände von Al-Fahad entfernt, steht Mechthild Jeschta von den Ahricher Gruppe Christen gegen Atomkraft. Sie hält ein Tablett mit essbaren Miniatur-Reaktoren in Hand. Um symbolisch ein Kernkraftwerk abzureißen, müssen die Besucher nur in den kleinen Schokokuss beißen. „Umweltschutz muss in der Kirche mehr Bedeutung bekommen“, sagt Jeschta. „Christ sein, heißt politisch sein und aktiv.“

Vorsichtig schneidet Nina den blauen Papierfisch aus. Ihre Finger umklammern ungelenk die Schere. Dann klebt die 9-Jährige ein Stück blauen Filz auf die Rückseite. „So kann Kinderkirche auch aussehen“, sagt Jan Terlinden. In seiner Gemeinde in Marburg organisiert er ehrenamtlich den Gottesdienst für Kinder. Knapp 25 kommen jede Woche. Sie sitzen dort im Kreis auf dem Teppich, können sich Lieder wünschen, basteln gemeinsam.


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