Gerechtigkeit beginnt beim Einzelnen

Die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Vandana Shiva, ist seit Jahren Dauergast beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die indische Physikerin und Bürgerrechtlerin sprach mit uns über ihre Vision von einer nachhaltigen Weltwirtschaft.

Vandana Shiva ist die Stimme der Bauern Indiens. Mit viel Energie setzt sie sich seit den 70er Jahren für eine nachhaltige Wirtschafts- und Umweltpolitik ein. Im Fokus ihrer Kritik: Transnationale Unternehmen, die durch Landenteignung und Privatisierung von Wasser die Lebensgrundlage der indischen Bauern gefährden.

„Erd-Demokratie“ nennt sie ihre Vorstellung von einer gerechten Gesellschaftsordnung. Die Welt sei mehr als nur ein Supermarkt, und der Mensch mehr als ihr Kunde. „Demokratie muss von, für und durch die Menschen gestaltet werden“, so Shiva. Eine vom Volk gewählte Regierung müsse dem Willen dieses Volkes entsprechend handeln.


„Umweltschutz und ein verlässliches Wirtschaftswachstum schließen sich nicht aus“, fährt Shiva fort. Voraussetzung dafür: Die Industrie dürfe den Lebensraum der Armen nicht zerstören. Das ganze Land müsse von wirtschaftlicher Entwicklung profitieren.
Anliegen der Kampagne „Quit India“, die die Physikerin ins Leben gerufen hat, ist die Vertreibung internationaler Konzerne, wie dem Agrarunternehmen Monsanto oder Coca-Cola und Pepsi, aus Indien. Anstatt Geld für ungesunde Lebensmittel auszugeben, solle man die vorhandenen Ressourcen in die Bildung der Kinder investieren. Die Bewegung habe aber nicht nur zum Ziel, zerstörerische Großkonzerne dazu zu bringen, das Land zu verlassen, sondern Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zu beleben.

Shiva plädiert für ein globales Miteinander: Wir seien alle Bürger dieser Welt – unabhängig von Religion und Ethnie. Der Kirchentag stelle eine gute Plattform dar, um Verständigung zu fördern.
„Gerechtes Handeln ist in den Alltag jedes Menschen zu integrieren“, sagt Shiva. „Eine gerechte Wirtschaftsordnung beginnt beim Einzelnen.“


Autorinnen: Birte Kempe, Katrin Kubica